In der Savanne ist viel los und das jeden Tag und leider oft auch immer gleich. Tagtäglich wandert die Elefantenherde zum Wasserloch und das nicht nur mit viel Getöse, sondern immer auch so mit heftigem Gestampfe, das den Erdboden erschüttert, was einem regelrechten Erdbeben gleicht und dazu führt, dass der kleinen Maus in ihrem Mäusebau unter der Erde die Erdbrocken auf den Kopf fliegen und sie jedes Mal große Angst hat, das alles über ihr einbricht.
Als dann auch noch ihre Lieblingstasse von ihrer Lieblingsomimi durch das Gestampfe zu Boden fällt und in tausend Teile zerbricht, reicht es der kleinen Maus. So kann das nicht weitergehen. Sie nimmt die Verfolgung der Herde auf, um sich zu beschweren und dem Treiben Einhalt zu gebieten, was, wie ihr euch bestimmt denken könnt, gar nicht so leicht ist .
Sie ist aber nicht die Einzige, die sich über die großen Elefanten ärgert.
Ein kleiner Elefant hatte es auf andere Weise sehr schwer mit den Großen.
Er schaffte es einfach nicht, an ihnen vorbeizukommen, um sich auch am Wasserloch zu vergnügen und zu trinken. Egal, was und wie sehr er es versuchte, auf sich aufmerksam zu machen, niemand nahm ihn wahr.
Na ja, so ganz stimmt das nicht.
Ihr möchtet wissen, was mit dem kleinen Elefanten war?
Nun ja, der lag traurig da und beäugte die Maus neugierig und doch auch ein wenig ängstlich.
Es gibt ja viele Geschichten, die davon berichten, dass Elefanten Angst vor Mäusen haben, und wer weiß, vielleicht stimmt es ja auch. In diesem Fall wird jedoch schnell klar, die beiden sind so etwas wie Leidensgenossen. Beide werden von den Großen nicht gesehen und nicht wahrgenommen und sind zu schüchtern, um sich Gehör zu verschaffen. Und so kommt es, dass sie sich anfreunden und gegenseitig Mut machen. Sie versuchten so dies und das, um auf sich aufmerksam zu machen, was wir Leser dank der wundervollen Bilder von Andrea Stegmaier natürlich alles "live" mit verfolgen können. Und wenn ihr ins Buch schaut, dann könnt ihr nicht nur miterleben, was die beiden so alles versuchen, sondern auch herausfinden, ob und vielleicht, wie sie es schaffen, die großen Riesen zum Zuhören zu bewegen.
Freut euch auf eine emotionale, aber auch sehr amüsante Geschichte, die deutlich zeigt, dass es sich lohnt, mutig zu sein und für seine Interessen einzustehen.
Und ihr erlebt auch, dass zusammen vieles viel leichter ist. "Gemeinsam sind wir stark!" "Gemeinsam kann man viel mehr erreichen!"
Und mal ehrlich sicherlich ist jedem klar, dass die Großen das alles nicht bewusst und absichtlich gemacht haben. Sie waren schlicht gedankenlos. Und diese Erkenntnis, das hat Eva Hierteis auch wunderbar in den Handlungsverlauf der Geschichte mit eingebunden.
Das wir die Geschichte so intensiv miterleben können, liegt aber nicht nur an dem wundervoll beschreibenden und feinfühligen Erzählstil, sondern auch an den wieder einmal ganz wundervollen Illustrationen von Andrea Stegmaier, die mit ihrem wundervollem Illustrationsstil die Geschichte auf ihre höchst eigene Weise miterzählt und viel dazu beiträgt, dass die Kinder mit der kleinem Maus und dem kleinen Elefanten mitfühlen können. Erst durch ihre Zeichnungen werden die Größenverhältnisse so richtig deutlich und man spürt förmlich die "Kleinheit" von Maus und Elefantenkind. Andrea Stegmaier fängt alle Gefühle ganz wunderbar nahbar ein. Egal ob es die Ohnmacht und Niedergeschlagenheit des kleinen Elefanten ist, die er beim Blick auf die dicken Popos der Elefanten, die wie eine dicke undurchdringliche Wand Po an Po stehen verspürt und ein Durchdringen wirklich unmöglich machen oder die Traurigkeit der kleinen Maus, als sie auf die Scherben ihrer Lieblingstasse schaut, die Ausdrucksstärke lässt alle Kinder mitfühlen und vielleicht auch an ähnliche Situationen denken, die sie selbst schon einmal erlebt haben. Besonders schön fanden die Kinder auch die sanften, warmen, oft ockafarbig, erdigen Farben in Kombination mit Blau und Grün, die sie so richtig in die Savanne versetzten und den Sand und die Erde, die Wärme der Sonne spüren ließen. "Oh, ist das schööön! Wie in Afrika! Ich glaube ich fühle den warmen Boden unter meinen Füßen!" (O-Ton eines 4,5-jährigen Kindes) Worauf hin ein anders älteres Kind sagte:" Ja, richtig. Und ich spüre das Wasser, das umherspritz. Wie macht man das? Wie kann man so malen, das man spürt was man sieht?"
Und ohne zu viel zu verraten Maus und Elefant haben an diesem Tag noch ganz viel Spaß zusammen, der sich dank der tollen Bilder auch auf uns Leser überträgt.
Ihr erlebt hier ein Bilderbuch, das von Anfang bis Ende einfach toll ist und Kindern viel mit auf den Weg gibt, ohne dabei pädagogisch zu wirken.
Was mich persönlich sehr gefreut hat, ist die Harmonie und das tolle Zusammenspiel von wundervoller, mitreißender Erzählsprache und einfühlsamen, lebendigen Illustrationen. Es wirkt wie aus einem Guss, was bei Bilderbüchern leider nicht immer zu erleben ist.
Mut, seine Bedürfnisse, Sorgen, Ärgernisse zu artikulieren und zu Gehör zu bringen ist wichtig. Leider sind die Erwachsenen oft zu beschäftigt oder nehmen einfach nicht wahr, dass das Kind etwas auf dem Herzen hat. Vielleicht macht diese wundervolle Bilderbuchgeschichte ja nicht nur Kindern Mut, sondern sensibilisiert auch die Großen, ihre Antennen mehr auf Empfang zu stellen.